Pagaia heißt auf Italienisch Paddel. Lelit nennt so das Hebelchen, mit dem sich seit der Mara X3 die Pumpe beim Espressobezug von Hand steuern lässt. Die Mara X3 war die erste Maschine mit dieser Steuerung. Seit Oktober 2026 kommen auch die Elizabeth 3 und die Victoria 3 mit Pagaia, und dort steckt eine erweiterte Steuerung drin: ein Drucksensor und speicherbare Druckprofile.
Auf dieser Seite sammeln wir, was wir über Pagaia wissen: wie die Steuerung technisch arbeitet, welcher Hebelwinkel an der Mara X3 welchen Fluss bedeutet, und worin sich die Steuerung der Elizabeth 3 von der der Mara X3 unterscheidet.
Wie Pagaia technisch arbeitet
Klassische Flow Control an einer E61-Brühgruppe funktioniert mechanisch: Ein Nadelventil verengt den Wasserweg, die Pumpe läuft weiter auf voller Leistung, der Rest wird abgedrosselt. So macht es Lelit selbst bei der Bianca. Pagaia macht es anders. Der Hebel regelt die Leistung der Pumpe selbst, elektronisch und in Echtzeit über eine Pulsweitenmodulation. Es wird also nicht gebremst, sondern von vornherein weniger Wasser gefördert. Die Technik baut auf Patenten von Sage auf, zu deren Firmengruppe Lelit gehört.
Das hat zwei praktische Folgen. Erstens hört ihr die Steuerung: Bei reduziertem Fluss geht die Vibrationspumpe an der Mara X3 auf unter 50 dB zurück. Ein schönes mechanisches Feedback, das euch beim Brühen mehr sagt als jeder Zeiger. Zweitens ist der Druck an der Mara X3 kein Sollwert, sondern ein Ergebnis. Ihr steuert den Fluss, der Druck stellt sich als Folge des Widerstands im Kaffeekuchen ein. Wer aus der Druckprofilierung kommt, muss hier umdenken.
Mara X3: welcher Winkel welchen Fluss bedeutet
Das ist die Frage, die uns häufig gestellt wird. An der Mara X3 haben wir es gemessen:

Der Pagaia-Hebel sitzt links an der Maschine. Er regelt keine Ventilstellung, sondern die Leistung der Pumpe.
Die 10-Uhr-Position ist eine sinnvolle Startposition für die Vorbenetzung des Kaffeekuchens, weil der Puck dort gleichmäßig durchnässt wird, ohne dass ihr sofort Kanäle reißt.
Fangt mit dem Hebel auf 10 Uhr an, wartet, bis die ersten Tropfen am Auslauf erscheinen, und dreht dann voll auf. So haben wir unseren Toca-Espresso aus Mexiko gebrüht: rund 40 Gramm in knapp 30 Sekunden. Das Ergebnis war karamellig und cremig, mit langem Nachgeschmack.
Und wenn ihr keine Lust auf das Spiel habt: Hebel auf vollen Durchfluss stellen und klassisch brühen. Pagaia zwingt euch zu nichts.
Was Pagaia an der Mara X3 nicht kann
Reproduzierbarkeit. Ihr brüht manuell, ihr müsst ein Gefühl dafür entwickeln, wann der Puck benetzt ist und wann ihr hochdreht. Das macht Spaß, wenn ihr Bock darauf habt. Wer morgens verlässlich denselben Espresso will, ohne nachzudenken, ist damit falsch beraten. Eine Volumetrik gibt es an der Mara X3 nicht, und ein Shot-Timer fehlt auch.
Genau an dieser Stelle setzt die Elizabeth 3 an.
Elizabeth 3: Hebel plus gespeicherte Druckprofile
Die Elizabeth 3 hat denselben Grundmechanismus, die Pumpe wird also auch hier über Pulsweitenmodulation geregelt. Dazu kommt ein Drucksensor, der während des Bezugs misst, wie viel Widerstand der Kaffeekuchen der Pumpe entgegensetzt. Das Display zeigt währenddessen den Druck auf dem Kaffee und das eingestellte Profil an. Damit arbeitet die Elizabeth 3 auf zwei Wegen, die sich deutlich voneinander unterscheiden.
Über die Tasten fahrt ihr Druckprofile. Jede der beiden Bezugstasten speichert ein Profil mit bis zu fünf Stufen. Für jede Stufe legt ihr den Druck in halben Bar-Schritten fest und dazu die Dauer. Anders als an der Mara X3 gebt ihr hier also einen Druck vor, und die Maschine regelt die Pumpe so, dass sie ihn erreicht. In unserem Test haben wir zum Beispiel acht Sekunden bei 3 Bar zur Benetzung gewählt und danach 8,5 Bar für die restlichen 17 Sekunden. Wer mag, legt mit allen fünf Stufen ein Handhebelprofil an, das auf 9 Bar hochgeht und dann alle paar Sekunden ein Bar abfällt.
Über den Hebel steuert ihr von Hand. Mit dem Pagaia startet ihr den Bezug direkt an der Seite und regelt die Pumpe während des Bezugs, wie an der Mara X3. Das ist praktisch, wenn ihr ein Rezept einfach ausprobieren wollt oder ein Shot aus dem Ruder läuft. In unserem Test lief ein Bezug gegen Ende zu schnell. Mit dem Hebel haben wir gebremst und landeten bei 22 bis 23 Sekunden, mit 9 Bar wäre der Kaffee wohl nach 19 Sekunden durchgerauscht.
An der Mara X3 regelt ihr ausschließlich von Hand den Fluss, gespeichert wird nichts. An der Elizabeth 3 sind gespeicherte Druckprofile und Hebel zwei getrennte Wege. Wer über die Taste startet, kann nicht mitten im Bezug auf den Hebel wechseln, und der Hebel lässt sich nicht mit einem gespeicherten Profil kombinieren. Die Tasten arbeiten außerdem mit einer Zeitsteuerung, die der Mara X3 fehlt. Eine Volumetrik hat keine der beiden Maschinen.
Wie gut das in der Tasse funktioniert, hängt an der Elizabeth 3 weniger an der Steuerung als an der Temperatur. Nach 20 Minuten liegt der erste Bezug bei eingestellten 94 °C bei 93,6 °C. Im Minutentakt fällt die Temperatur über fünf Bezüge um rund 2 Grad, mit zwei Minuten Pause zwischen den Bezügen bleibt sie innerhalb von 0,9 Grad. Alle Messwerte, die Programmierung Schritt für Schritt und unser Rezept stehen im Test der Lelit Elizabeth 3.
Welche Lelit hat welchen Pagaia-Ausbaustand
| Maschine | Bauart | Hebel | Drucksensor mit Anzeige | Gespeicherte Profile | Dosierung |
|---|---|---|---|---|---|
| Mara X3 (PL62X3) | Zweikreiser | ja, regelt den Fluss | nein | nein | manuell |
| Elizabeth 3 | Dualboiler | ja, nur ohne gespeichertes Profil | ja | 2 Tasten, je bis zu 5 Druckstufen | Zeitsteuerung |
| Victoria 3 | Einkreiser | ja | ja, laut Lelit | programmierbare Druckprofile, laut Lelit | noch nicht geprüft |
Getestet haben wir die Mara X3 (50,2 von 100 Punkten) und die Elizabeth 3 (61,7 von 100 Punkten). Die Angaben zur Victoria 3 stammen von Lelit und sind nicht nachgemessen.
Was kostet Pagaia
In Brüssel wurde uns für die Elizabeth und die Victoria ein Aufschlag von 300 Euro gegenüber der Version ohne Hebel genannt. Mit den Preisen zum Marktstart lässt sich das nicht nachvollziehen. Die Elizabeth 3 kostet 1.649 Euro in Edelstahl und 1.699 Euro in Schwarz oder Weiß, die Victoria 3 laut Lelit 1.149 und 1.199 Euro. Die Elizabeth PL92T ohne Pagaia bekommt ihr heute für rund 1.000 Euro. Bei der Mara X3 ist Pagaia fest eingebaut, dort liegt der Preis bei 1.699 Euro, rund 500 Euro über der Vorgängerin.
Die Preise der Lelit-Gerätschaften wurden die letzten Jahre durch große internationale Händler stark rabattiert. Maschinen waren teilweise 200 bis 400 Euro unter dem UVP zu haben. Wir werden sehen, wo sich die Gerätschaften mit Pagaia einpendeln.
Warum Lelit das jetzt kann
Lelit gehört seit 2022 zur Breville-Gruppe, also zu dem Unternehmen, das in Europa als Sage auftritt. In Brüssel wurde uns gesagt, dass dort ein großer Patentbestand liegt, aus dem Lelit schöpfen kann. Nach Jahren, in denen wir auf Messen Witze über neue Lackierungen als Innovation gemacht haben, fließen hier erstmals sichtbar Technologien zusammen.
Fazit
Pagaia ist kein Gimmick. An der Mara X3 haben wir echtes Flow Profiling in einem klassischen Zweikreiser gehabt, und das hat Freude gemacht. An der Elizabeth 3 geht Lelit einen Schritt weiter: Dort gibt es speicherbare Druckprofile in einer Preisklasse, in der es das bisher nicht gab, und den Hebel zusätzlich für Bezüge von Hand.
Die Grenzen liegen bei beiden Maschinen weniger in der Steuerung als in der Temperatur. Bei der Mara X3 fiel die Temperaturkonstanz im Stresstest durch, bei der Elizabeth 3 verliert der kleine Brühkessel bei vielen Bezügen hintereinander rund 2 Grad. Gerade bei der Victoria 3 als Einkreiser mit kleinem Kessel wird spannend, ob eine sanfte Präinfusion in einem stabilen Temperaturfenster stattfindet. Die Victoria 3 steht auf unserer Liste.
Weiterlesen: unser Test der Lelit Elizabeth 3, unser Test der Lelit Mara X3 mit allen Messwerten zur Pagaia, unser Test der Lelit Elizabeth PL92T und unser Test der Lelit Victoria. Alle Lelit-Maschinen im Überblick findet ihr auf unserer Lelit-Seite. Wie wir messen, steht im Testprotokoll.
















